Oktoberwanderung

Wenn Engel reisen, dann lacht der Himmel! Das muss auch für Wandervögel Gültigkeit haben, so schön war dieser Wandertag. Natürlich nicht nur für uns! Der Zug ins Wallis war sehr gut besetzt. Der Zugbegleiter höchst persönlich ging durch die Wagen um zusätzliche Sitzplätze anbieten zu können. Rücksäcke verfügen ja in aller Regel über keine Fahrkarte, auch wenn es Leute gibt, die das partout nicht verstehen wollen.

Im Postauto ab Visp Richtung Visperterminen hatte es genügend Platz für alle und der Chauffeur brachte uns sicher und rasch in die Heimat des Heida. Es ist doch erstaunlich, wie schnell sich eine grosse Menschenmasse an einem Zielbahnhof wieder auflöst und auf die verschiedenen Täler eines Wanderkantons verteilt. Wir hatten es ziemlich eilig, hatte der Zug doch einige Minuten Verspätung und wir wussten, ist das Postauto weg, dann keine Sesselbahnfahrt nach Giw. Die Wanderspedition in die Höhe macht nämlich vormittags wie nachmittags eine längere Pause. „Schlärppele“ lag also nicht drin, aber wir schafften es gerade noch rechtzeitig mit langen Schritten und ohne rennen. Der Hang nach Giw liegt um diese Zeit im Schatten und das sorgte für kalte Finger und Ohren. Dafür lockten ein blauer Himmel und Sonnenstrahlen hoch oben; da nimmt frau auch etwas Kühle auf dem Transportmittel in Kauf und im Restaurant wartete bereits Kaffee und Tee auf uns – natürlich mit Gipfeli.

Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg. Zuerst ein Stück aufwärts, schnell hatten wir alle angenehm warm, obschon ein zügiger Wind durch die Landschaft blies. Dann ging es alles der Seite entlang in Richtung Gebidum, stetig mehr oder weniger „obsi“ und wir warenuns einig, dass diese Wanderung im vergangenen heissen Sommer wohl nicht so schön, weil viel zu heiss, gewesen wäre. Jetzt hingegen war es herrlich in strahlendem Sonnenschein unterwegs zu sein. Der Blick an die gegenüberliegende Bergkette, ins Rhonetal, oder auch nur an den nächsten Gegenhang war atemberaubend schön. Die Lärchen zwar noch nicht sehr gelb, aber es gibt ja auch noch andere Farben im Herbst die um die Wette leuchten.

Mit Blick auf Brig weit, weit unten, machten wir unsere erste Rast. Der Wind blies immer noch, aber dank der Sonne fühlte er sich nicht mehr so kalt an wie zu Beginn unserer Wanderung.

Wir machten uns auf, die grösste Herausforderung dieses Tages in Angriff zu nehmen. Ein kurzes, aber steiles, felsiges Stück Weg lag vor uns. Zum Glück war die Stelle mit Handseilen gesichert und wir haben sie alle – die einen vielleicht mit etwas mehr Herzklopfen - mit Bravour gemeistert. Oben auf Gebidum entdeckte jemand das Gipfelbuch. Für uns ein Novum, bisher ist uns auf unserer Wanderungen noch kein solches begegnet. Das ist weiter nicht verwunderlich, denn „Kletterpartien“ zum Gipfel gehören sonst nicht in unser Programm. Wenn die Möglichkeit besteht, schreibt sich natürlich die Wandergruppe Ricola ein! Noch einmal Rundblick und dann schleunigst weiter. Der Wind tobte sich nun richtig aus und es war so gesehen doch schon fast ungemütlich.

An den Ufern des Gebidumsees suchten wir vergebens nach Windschatten. Trotzdem setzten wir uns und genossen unser Picknick vor dem Abstieg zurück nach Giw. Gesund und munter angekommen, setzten wir uns auf die sonnenbeschienene Terrasse, fanden es dort nun ziemlich heiss und liessen uns gaumentechnisch verwöhnen mit einem Glas Wein und einigen Walliser Spezialitäten.

Die Sesselbahn brachte uns zurück nach Visperterminen und die Zeit reichte für die einen für einen Rundgang durch das schöne Walliser Dorf während die anderen einen Kaffee tranken. Es folgten die kurvenreiche Postautofahrt nach Visp und die schnelle Zugfahrt nach Thun, wo wir wohlbehalten, zufrieden und pünktlich ankamen.

 

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