Oktoberwanderung

Von Planplatten - Engstlensee

Einmal mehr gab es früh Tagwacht, die Reise nach Meiringen Planplatten ist nicht gerade von der ganz kurzen Sorte. Es war noch recht frisch, als wir – 8 Frauen und ein Mann – uns am Bahnhof trafen. Ausgerüstet mit Sparbillets der SBB, die von Hand mit dem Datum versehen waren, stiegen wir in den Zug ein und liessen uns ins Oberland fahren.

Auf Planplatten angekommen, musste zuerst einmal die herrliche Aussicht begutachtet und gerühmt werden. Es hatte auf dieser Höhe bereits ein bisschen Schnee und die an diesem Morgen noch gefrorenen kleinen Pfützen kündigten uns den nahenden Winter an. Aber wer glaubt schon daran, an einem so schönen und später auch warmen Tag! Begrüsst wurden wir übrigens auch von der Patrouille Suisse, die sich gerade auf einem Übungsflug für das am nächsten Tag stattfindende Event auf der Axalp befand. Eindrücklich ist da nicht nur der Lärm, sondern auch die Präzision und irgendwie weckt diese Fliegerstaffel patriotische Gefühle, auch wenn man sich ansonsten nicht mit der Militärfliegerei auseinandersetzt. Um es vorweg zu nehmen, der Lärm hielt sich an diesem Tag absolut in Grenzen.

Nach gebührender Würdigung der Aussicht, Fotos hier und dort, einem stärkenden Kaffee und dem ersten Gruppenbild machten wir uns auf den Weg. Noch in Jacken, aber schon mit Sonnenbrille ging es vorwärts mit Blick auf die sonnenbestrahlten Gipfel der näheren und weiteren Umgebung. Nebelschwaden stiegen langsam und ein kleines bisschen bedrohlich auf, verflüchtigten sich jedoch mit schöner Regelmässigkeit wieder. Ins Blickfeld kamen auch die typischen Vorzeichen der anstehenden Wintersaison – die Schneekanonen. Allzu ernst mussten wir sie nicht nehmen, es wurde nämlich schnell wärmer und wir wähnten uns dem Sommer wesentlich näher als der kalten Jahreszeit.

Mit Blick auf den Melchsee machten wir uns um die Mittagszeit über unsere Rucksäcke her. Es gab nichts, das uns zur Eile drängte, weder Regenwolken noch kalter Wind oder irgendeine andere Unpässlichkeit. Frisch gestärkt gingen wir dem Tannensee entgegen und nahmen die grösseren und kleineren Auf- und Abstiege bis zum Engstlensee in Angriff. Bevor uns das Postauto wieder nach Meiringen brachte, reichte es noch für Haslikuchen und Kaffee.

Mit dem öffentlichen Verkehr machten wir an diesem Tag nur gute Erfahrungen. So entpuppte sich der Postauto-Chauffeur als geübter Reiseleiter, der uns auf die eine oder andere Sehenswürdigkeit aufmerksam machte. Vielleicht auch, weil die Strasse doch recht schmal und kreuzen darauf nicht so ohne weiteres möglich ist. Ablenkung auf die Umgebung ist in diesen Momenten sehr zu begrüssen.

Den Vogel abgeschossen hat dann allerdings der Zugbegleiter der SBB. Unsere Billets wurden mehrmals kontrolliert, niemand hat sich am handgeschriebenen Datum gestört. Dann, kurz vor Ende unseres Wandertages passierte es! Ungefähr auf Höhe Einigen kam der Zugbegleiter, sah sich ein Billet an, rollte mit den Augen und meinte lapidar, das koste dann 70 Franken. Unsere Antwort begann mit „ja, aber…“ was ihn dazu brachte, uns darüber in Kenntnis zu setzen, warum, wieso und überhaupt die SBB in allen Belangen streng sein müssen. Der Umweg über Sitzplatz benützende Laptops und Rucksäcke, die nicht kontrolliert werden, führte zu einer hochinteressanten Einsicht: gemäss Ausführung des Reisebegleiters muss grundsätzlich für einen Sitzplatz zahlen und wird kontrolliert, wer lebt. Ein Rucksack zahlt folglich auf einem Sitzplatz nichts. Was allerdings nicht bedeutet, dass der Sitzplatz eines toten Rucksacks nicht durch ein lebendes Wesen beansprucht werden dürfte. Unmittelbar vor dem Bahnhof Thun, der Zug war bereits im Bremsmodus und wir mit den Vorbereitungen des Ausstiegs beschäftigt, sah der gute Mann eine Hundeleine und wie das dazu gehörende Hündchen gerade seine Reisetasche unter der Bank verliess und sich in Vorfreude auf das Verlassen des fahrbaren Untersatzes schon etwas die Beine vertrat. Das führte zur Belehrung, dass der Hund bis zum Ausstieg im Täschchen bleiben muss, ansonsten er ein Billet benötigt, immerhin lebt er ja!!! Damit wir uns richtig verstehen: wir, und mit uns auch andere Passagiere, hatten eine Menge Spass mit diesem Zugbegleiter. Die Verabschiedung fiel jedenfalls herzlich aus, ohne dass Geld den Besitzer gewechselt hat.

Wir wissen jetzt, Billets müssen abgestempelt werden. Uns wurde bestätigt, dass man(n) sieht, dass wir nicht in betrügerischer Absicht unterwegs sind. Was uns noch beschäftigt, ist die Frage, ob Füsse auf dem gegenüberliegenden Sitzplatz zu zahlen haben? Sie leben – keine Frage. Aber niemand von uns hat je gesehen, dass sie auch zahlen…

 

 

 

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